Ausflug in die Heideblüte
Natur erleben und entschleunigen
Manchmal liegt das Urlaubsgefühl näher, als man denkt.
Gestern habe ich mit meinen Jungs einen Wanderausflug in die Fischbeker Heide gemacht. Von der Markt-Apotheke Poppenbüttel ist man mit dem Auto ungefähr eine Stunde unterwegs – und fühlt sich dann tatsächlich ein bisschen wie im Urlaub.
Die Landschaft ist wunderschön: Weite, lila blühende Heideflächen wechseln sich mit grünen Bäumen und kleinen Waldstücken ab. Es ist ruhig, weitläufig und unglaublich entspannend. Wir haben uns auf eine ausgedehnte Wanderung gemacht und waren insgesamt etwa vier Stunden unterwegs.
Und das Schöne: Die Zeit verging wie im Flug. Vier Stunden wandern, ohne ständig auf die Uhr zu schauen – genau das meine ich mit Entschleunigung.
Lila Heideflächen und kleine Waldabenteuer
Der Kontrast zwischen den lila blühenden Heideflächen und dem satten Grün der Bäume ist einfach wunderschön. Gerade im August zeigt sich die Heide von ihrer besonderen Seite.
Auf unserem Weg kamen wir immer wieder durch kurze Waldstücke. Und dort wartete die nächste Überraschung: **Heidelbeeren, soweit das Auge reichte!
Zwischen den Bäumen und am Wegesrand wuchsen unzählige kleine Sträucher mit tiefblauen Beeren. Natürlich konnten wir nicht widerstehen und haben direkt ein paar probiert – und sie waren tatsächlich fantastisch!
Dabei passt die Heidelbeere sogar botanisch wunderbar zu unserem Heide-Erlebnis: Die Heidelbeere gehört wie die Besenheide zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Eine Familie also, die uns auf unserem Ausflug gleich mehrfach begegnet ist – einmal als wunderschöne lila Heideblüte und einmal als kleine, köstliche Waldfrucht.
Begegnung mit den Heidschnucken
Und dann hatten wir noch eine ganz besondere Begegnung: Eine kleine Herde Heidschnucken und Ziegen kam uns entgegen – begleitet von einem echten Schäfer mit Hut, seinem Hund und einem Schäferstock. Viel authentischer kann ein Ausflug in die Heide eigentlich kaum werden.
Die Tiere liefen teilweise erstaunlich nah an uns vorbei. Für meinen kleinen Loui war das eine Premiere: Seine erste Begegnung mit Heidschnucken aus nächster Nähe. Und ganz ehrlich – so richtig geheuer waren ihm die Tiere zunächst nicht. Ein bisschen Abstand war ihm dann doch lieber.
Für mich gehörte genau diese Begegnung zu den besonderen Momenten des Tages. Denn die Heidschnucken sind nicht nur ein typischer Anblick in der Heide, sondern haben auch eine wichtige Aufgabe: Durch ihre Beweidung tragen sie dazu bei, die typische Heidelandschaft zu erhalten.
Besenheide ist nicht gleich Erika
Die Pflanze, die im Spätsommer die Heidelandschaft so wunderschön lila färbt, ist vor allem die **Besenheide (*Calluna vulgaris*). Sie gehört zur Familie der Heidekrautgewächse und ist ausgesprochen genügsam. Auch auf kargen, sandigen Böden kann sie wachsen und prägt damit unsere typischen Heidelandschaften.
Dabei ist „Heide“ nicht gleich „Erika“: Die Besenheide gehört zur Gattung Calluna, die bekannte Erika dagegen zur Gattung Erica. Beide gehören zwar zur Familie der Heidekrautgewächse, sind botanisch aber unterschiedliche Gattungen.
Die Besenheide ist außerdem ökologisch wertvoll. Ihre Blüten bieten Bienen und anderen Insekten gerade im Spätsommer eine wichtige Nahrungsquelle.
Von der Heideblüte zum alten Wissen über Heilpflanzen
Während wir durch die blühende Heide gewandert sind, habe ich mich gefragt, welche Bedeutung diese Pflanze eigentlich früher für die Menschen hatte.
Heute sehen wir vor allem die wunderschöne Landschaft und freuen uns über die lila Blüten. Für die Menschen früher waren Pflanzen jedoch weit mehr als nur schön anzusehen: Sie waren Nahrung, Rohstoff und Bestandteil der traditionellen Heilkunde.
Und genau hier musste ich an Hildegard von Bingen denken.
Die Benediktinerin und Gelehrte beschäftigte sich im 12. Jahrhundert intensiv mit der Natur und den Eigenschaften von Pflanzen. In ihrer Physica beschrieb sie zahlreiche Pflanzen und Naturstoffe und überlieferte damit einen Teil des mittelalterlichen Heilwissens.
Dabei geht es nicht darum, die heutige Besenheide direkt Hildegard zuzuschreiben. Die botanische Zuordnung mittelalterlicher Pflanzennamen ist häufig nicht eindeutig.
Vielmehr zeigt Hildegards Werk, welch große Bedeutung Pflanzen und das Wissen über ihre Eigenschaften schon damals hatten.
Dieses Wissen wurde über die Jahrhunderte weitergetragen und weiterentwickelt. Im 16. Jahrhundert beschäftigte sich beispielsweise der Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs ausführlich mit Pflanzen und ihrer Verwendung. In seinen Kräuterbüchern findet sich die Heide unter der historischen Bezeichnung „Heyd“, die der heutigen Besenheide (Calluna vulgaris) zugeordnet wird.
So spannt sich ein faszinierender Bogen von der mittelalterlichen Pflanzenkunde bis zu unserem heutigen Wissen über Heilpflanzen.
Heidekraut in der traditionellen Pflanzenheilkunde
Auch die Besenheide wurde traditionell als Heilpflanze verwendet. Aus den Blüten beziehungsweise den oberirdischen Pflanzenteilen wurden unter anderem Aufgüsse und Tee bereitet.
In der Volksheilkunde wurden dem Heidekraut verschiedene Eigenschaften zugeschrieben, unter anderem eine harntreibende und beruhigende Wirkung. Auch der Begriff „blutreinigend“ findet sich in historischen Überlieferungen.
Solche Begriffe gehören allerdings in die traditionelle Pflanzenheilkunde und sind nicht mit einem modernen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen.
Gerade deshalb finde ich es spannend, altes Heilpflanzenwissen mit unserem heutigen Wissen zu vergleichen. Was früher aus Beobachtung und Erfahrung überliefert wurde, können wir heute mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersuchen und bewerten.
Die Heide erleben – auch ohne Auto
Für einen Ausflug in die Fischbeker Heide muss man übrigens nicht unbedingt mit dem Auto fahren.
Die Heide ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Mit der Bahn geht es bis zur Station Neugraben-Fischbek. Von dort ist es nur noch ein kurzer Fußweg – und schon tut sich die Heidelandschaft vor einem auf.
Das macht den Ausflug für mich noch schöner: Man kann bereits unterwegs entschleunigen und kommt ganz ohne Parkplatzsuche mitten in der Natur an.
Mein Fazit
Für mich war der Ausflug mit meinen Jungs ein wunderbares Erlebnis.
Vier Stunden wandern, die lila Heideflächen betrachten, Heidelbeeren naschen, Heidschnucken beobachten, die Ruhe genießen und dabei einfach einmal abschalten – manchmal braucht es gar keine große Reise, um sich wie im Urlaub zu fühlen.
Wer die Heideblüte noch nicht erlebt hat, dem kann ich einen Ausflug im August wirklich empfehlen. In der Fischbeker Heide gibt es zahlreiche Wanderwege, und jeder bietet wieder neue Eindrücke.
Also: Wanderschuhe an, Alltag aus und ab in die Heide!
Vielleicht geht es Ihnen dann genauso wie uns: Vier Stunden später fragen Sie sich, wo eigentlich die Zeit geblieben ist.






