Pfefferminztee ist nicht gleich Pfefferminztee

Unser Teeexperiment: Was steckt eigentlich im Teebeutel?

Pfefferminztee

3,95 € für einen Pfefferminztee?Diese Frage haben wir zum Anlass genommen, zwei Tees genauer unter die Lupe zu nehmen: einen Pfefferminztee aus dem Supermarkt und einen Pfefferminz-Arzneitee von H&S aus der Apotheke.Auf den ersten Blick scheint der Unterschied schnell erklärt: Beide enthalten Pfefferminze, beide werden mit heißem Wasser aufgegossen und beide ergeben einen Pfefferminztee.Aber: Pfefferminztee ist nicht gleich Pfefferminztee.Genau dieser Frage sind wir bei der Markt-Apotheke Poppenbüttel in unserem Teeexperiment nachgegangen.


Lebensmitteltee oder Arzneitee – worin liegt der Unterschied?

Der entscheidende Punkt ist zunächst die Produktkategorie.Ein Pfefferminztee aus dem Supermarkt kann als Lebensmittel verkauft werden. Auch für Lebensmittel gelten selbstverständlich gesetzliche Anforderungen.Bei einem pflanzlichen Arzneimittel gelten dagegen pharmazeutische Anforderungen an Qualität, Herstellung und Prüfung.Dabei ist wichtig: Nicht der Verkaufsort allein entscheidet darüber, ob ein Tee ein Arzneimittel ist. Auch außerhalb einer klassischen Vor-Ort-Apotheke können Arzneitees erhältlich sein. Entscheidend ist der rechtliche Status des konkreten Produktes.Unser Vergleich bezieht sich deshalb ganz bewusst auf zwei unterschiedliche Produktkategorien: einen Lebensmitteltee und einen Pfefferminz-Arzneitee.


Was bedeutet eigentlich „Arzneidroge“?

Bei unserem H&S-Pfefferminz-Arzneitee wird als Arzneidroge Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium) verwendet.Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um einen definierten pflanzlichen Ausgangsstoff, für den bestimmte Qualitätsmerkmale festgelegt sind.Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Mentha piperita folium – also Pfefferminzblätter – ausdrücklich als pflanzliche Arzneidroge.Es geht also nicht einfach darum, dass auf einer Packung irgendwo „Pfefferminze“ steht.Bei einem Pfefferminz-Arzneitee ist genau festgelegt, welche Qualität die verwendete Arzneidroge haben muss. Dazu gehören unter anderem der Gehalt an ätherischem Öl sowie klare Vorgaben zum Verhältnis von Blättern, Stängeln und möglichen Fremdbestandteilen.


Ätherische Öle – warum spielen sie bei Pfefferminztee eine Rolle?

Pfefferminzblätter enthalten ätherisches Öl. Dieses trägt wesentlich zu den charakteristischen Eigenschaften und zum typischen Aroma der Pfefferminze bei.Ätherische Öle sind allerdings flüchtig. Das bedeutet, dass sie sich beispielsweise bei der Lagerung oder Zubereitung teilweise verflüchtigen können.Deshalb spielt bei entsprechenden Tees nicht nur die Qualität der Ausgangsdroge eine Rolle, sondern auch, wie sie verarbeitet, gelagert und schließlich zubereitet wird.


Unser Tipp: Tee mit ätherischen Ölen abgedeckt ziehen lassen

Auch bei der Zubereitung können wir etwas dafür tun, möglichst wenig der flüchtigen Bestandteile zu verlieren.Wir empfehlen deshalb, Tee mit ätherischen Ölen während der Ziehzeit abzudecken. ☕🌿Beim Aufgießen mit heißem Wasser entsteht Wasserdampf. Mit diesem können auch flüchtige Bestandteile entweichen.Ein Deckel auf der Tasse oder Kanne hilft dabei, diesen Verlust möglichst gering zu halten.Unser einfacher Tipp aus der Markt-Apotheke Poppenbüttel:
Aufgießen → abdecken → entsprechend der Zubereitungsempfehlung ziehen lassen.Ein kleiner Handgriff, der gerade bei Tees mit ätherischen Ölen sinnvoll ist.


Warum spielt die Verpackung eine Rolle?

Auch bei der Verpackung spielt der Schutz der pflanzlichen Inhaltsstoffe eine Rolle.Gerade bei pflanzlichen Drogen mit flüchtigen Inhaltsstoffen ist eine geeignete Lagerung wichtig.Bei unserem H&S-Pfefferminztee sind die Filterbeutel für die Einzelanwendung entsprechend geschützt. Die Originalpackung soll zudem vor Licht und Feuchtigkeit schützen.Damit wird deutlich: Bei einem Arzneimittel wird nicht nur auf die Pflanze selbst geschaut – auch Verarbeitung, Qualität und Aufbewahrung spielen eine Rolle.


Was haben wir bei unserem Teeexperiment entdeckt?

Jetzt wurde es für uns besonders spannend.Wir haben beide Teebeutel geöffnet und den Inhalt miteinander verglichen.Dabei fiel uns auf, dass die beiden Tees optisch durchaus unterschiedlich waren.Im Supermarkttee fanden wir außerdem einige dunkle, harte und glänzende Bestandteile.Natürlich wollten wir wissen: Was ist das?Im Video haben wir deshalb die Vermutung geäußert, dass es sich möglicherweise um verarbeitetes beziehungsweise zugesetztes Menthol handeln könnte.Und hier möchten wir ganz ausdrücklich sauber unterscheiden:Wir haben das nicht analysiert.Wir können deshalb nicht behaupten, dass es sich bei den dunklen Bestandteilen tatsächlich um Menthol handelt.Eine eindeutige Identifizierung wäre nur durch eine entsprechende analytische Untersuchung möglich.Unser Teeexperiment war deshalb genau das: Eine Beobachtung, die Fragen aufgeworfen hat – aber kein Laborbefund.


Warum ist der Arzneitee teurer?

Das war vermutlich die Frage, die uns nach unserem Video am häufigsten gestellt wurde.Die Antwort lautet nicht einfach: „Weil er aus der Apotheke kommt.“Denn auch Arzneitees können außerhalb einer klassischen Vor-Ort-Apotheke erhältlich sein.Der entscheidende Punkt ist vielmehr: Welche Art von Produkt liegt vor und welchen rechtlichen Status hat es?Ein Lebensmitteltee und ein Arzneitee können beide „Pfefferminztee“ heißen. Trotzdem können für sie unterschiedliche Anforderungen gelten.Deshalb sollte man bei einem Preisvergleich nicht nur auf die Zahl auf dem Preisschild schauen, sondern zunächst überlegen: Vergleiche ich hier tatsächlich zwei gleichartige Produkte?


Muss es deshalb immer Arzneitee sein?

Nein.Wenn Sie Pfefferminztee einfach gerne trinken, kann ein Lebensmitteltee vollkommen passend sein.Wer Pfefferminztee dagegen gezielt als Arzneitee verwenden möchte, sollte auf die Kennzeichnung achten und darauf, ob es sich tatsächlich um ein Arzneimittel handelt.Es geht uns deshalb ausdrücklich nicht darum, einen günstigeren Tee schlechtzureden.Und wir wissen natürlich auch, dass viele Menschen heute beim Einkauf sehr genau auf den Preis achten müssen.Unser Anliegen ist ein anderes: Wir möchten zeigen, was man eigentlich miteinander vergleicht.Denn wer die Unterschiede kennt, kann selbst entscheiden, welches Produkt für die eigenen Bedürfnisse das richtige ist.


Unser Fazit aus der Markt-Apotheke Poppenbüttel

Unser Teeexperiment hat uns vor allem eines gezeigt: „Pfefferminztee“ ist nicht automatisch gleich „Pfefferminztee“.Es lohnt sich, genauer hinzusehen:

  • Handelt es sich um ein Lebensmittel oder ein Arzneimittel?
  • Welche Pflanzenteile sind enthalten?
  • Welche Arzneidroge wird verwendet?
  • Welche Qualitätsanforderungen gelten?
  • Welche Inhaltsstoffe sind für die Arzneidroge relevant?
  • Und vor allem: Für welchen Zweck möchte ich den Tee verwenden?

Denn am Ende geht es nicht darum, pauschal zu sagen: Apotheke = gut. Supermarkt = schlecht.Sondern darum, informiert entscheiden zu können.Und genau deshalb machen wir solche Experimente bei der Markt-Apotheke Poppenbüttel: Wir möchten pharmazeutische Themen aus unserem Apothekenalltag verständlich machen und zeigen, dass hinter vielen scheinbar einfachen Produkten spannende Unterschiede stecken.


Sie haben Fragen zu Arzneitees, pflanzlichen Arzneimitteln oder möchten wissen, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten? Sprechen Sie uns gerne an!


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